InfoFlyer FDP OVP 09/2026
FDP OVP
Nach der Wahl: Enttäuschung ja. Resignation nein.
Liebe Freundinnen und Freunde,
hinter uns liegen intensive Wochen – und seit gestern auch ein Wahlergebnis, das schmerzt.
1,0 Prozent für die FDP in Mecklenburg-Vorpommern. Nach 5,8 Prozent im Jahr 2021 bedeutet das den Verlust unserer parlamentarischen Vertretung. Gleichzeitig ist diese Wahl von einer außergewöhnlichen Polarisierung geprägt: AfD und SPD vereinen zusammen fast drei Viertel der Stimmen auf sich; CDU und BSW scheitern ebenfalls an der Fünf-Prozent-Hürde.
Wir werden dieses Ergebnis nicht schönreden. 1,0 Prozent sind eine Niederlage. Eine deutliche. Aber eine Niederlage ist kein Grund, die eigenen Überzeugungen über Bord zu werfen. Sie ist ein Grund, sehr genau hinzusehen, Konsequenzen zu ziehen und wieder anzupacken.
Unser Wahlkampf in Ostvorpommern war nicht das Problem
Wir können auf das, was hier vor Ort geleistet wurde, mit gutem Grund stolz sein. Die Lichtwerbung in Wolgast war hervorragend platziert, unsere Flyer wurden in Wolgast und auf der Insel verteilt, die Veranstaltung mit dem Unternehmerverband in Greifswald brachte sehr gute Rückmeldungen. Auch die Veranstaltungen mit Martin Hagen in Lubmin waren gelungen beziehungsweise gut besucht. Das Fazit des Kreisvorstandes schon vor dem Wahltag war eindeutig: Der Wahlkampf in OVP lief – abgesehen von den Großplakaten – reibungslos, und die Resonanz war ausgesprochen positiv.
Besonders bitter ist deshalb, dass sich der starke Wahlkampf unserer beiden Spitzenkandidaten nicht in einem besseren Ergebnis niedergeschlagen hat. Sie haben gekämpft. Sie waren präsent. Sie haben zugehört. Sie haben überzeugt. Dafür gebührt ihnen unser ausdrücklicher Dank.
Schon in unserer letzten Vorstandssitzung war festgehalten worden, dass wir aus einer schwierigen Ausgangslage das Beste gemacht haben und nach der Wahl auf den entstandenen Kontakten, Netzwerken und Gesprächen aufbauen wollen.
Und genau das werden wir tun.
Wir müssen aber auch über das reden, was nicht funktioniert hat
In vielen Gesprächen haben wir in den vergangenen Wochen sinngemäß immer wieder gehört:
„Eure Ideen sind richtig. Eigentlich braucht es genau das. Aber ihr kommt doch sowieso nicht über fünf Prozent.“
Das ist ein Problem, das wir nicht mit einem neuen Plakat oder einem anderen Slogan lösen werden. Wenn Menschen liberale Positionen teilen, ihre Stimme aber aus taktischen Gründen nicht der FDP geben, müssen wir Vertrauen zurückgewinnen: das Vertrauen, dass eine Stimme für Freiheit, Eigenverantwortung und wirtschaftliche Vernunft keine verlorene Stimme ist.
Dabei wäre es zu einfach, die Verantwortung nur bei den Wählerinnen und Wählern oder bei der Polarisierung dieses Wahlkampfes zu suchen. Nach den unnötigen innerparteilichen Auseinandersetzungen des vergangenen Jahres kam diese Landtagswahl für unseren Neuaufbau womöglich einige Monate zu früh. Aber auch das erklärt nicht alles.
Die Zahlen sind deutlich. Laut der Wählerwanderungsanalyse von infratest dimap verlor die FDP gegenüber 2021 per Saldo unter anderem rund 15.000 Stimmen an die AfD, 9.000 an die SPD und 6.000 an die CDU. Wer daraus nichts lernen will, hat das Ergebnis nicht verstanden.
Und jetzt wird es persönlich
Zur Aufarbeitung gehört auch eine unbequeme Frage an jeden einzelnen von uns:
Habe ich selbst genug getan?
Wer plakatiert, Flyer verteilt, Veranstaltungen organisiert, Gespräche geführt, Beiträge erstellt oder auf andere Weise geholfen hat, weiß, welche Arbeit in diesem Wahlkampf steckt.
Wer sich dagegen zurückgehalten und darauf verlassen hat, dass „die anderen das schon machen“, sollte sich jetzt nicht zuerst fragen, was Landesverband, Bundespartei oder Kandidaten hätten besser machen müssen.
Er sollte mit der Analyse bei sich selbst anfangen.
Eine Partei mit einem Prozent braucht keine Zuschauer. Sie braucht Mitglieder, die Mitgliedschaft als Auftrag verstehen. Niemand muss jeden Abend auf der Straße stehen. Aber dauerhaft liberale Politik einzufordern und die notwendige Arbeit anderen zu überlassen, passt nicht zusammen.
Das ist kein Vorwurf um des Vorwurfs willen. Es ist eine Einladung zur Konsequenz: Wer feststellt, dass er mehr hätte tun können, macht es beim nächsten Mal besser. Aus dieser Erkenntnis kann neue Tatkraft entstehen.
Unser Auftrag ist nicht kleiner geworden – sondern größer
Wir glauben weiterhin an eine Gesellschaft, in der der Staat seinen Bürgern nicht bei jeder Gelegenheit erklärt, wie sie zu leben haben. Wir glauben an Leistung und das Aufstiegsversprechen. An Unternehmertum. An Eigenverantwortung. An einen Staat, der seine Kernaufgaben beherrscht, statt immer neue Lebensbereiche zu regulieren.
Und wir glauben daran, dass Menschen selbst entscheiden können, was gut für ihr Leben ist.
Das Wahlergebnis ändert an diesen Überzeugungen nichts. Es zeigt vielmehr, wie wenig Menschen wir derzeit davon überzeugen, uns dafür ihre Stimme zu geben. Diese Differenz müssen wir schließen.
Das schaffen wir nicht mit Selbstmitleid. Nicht mit internen Schuldzuweisungen. Und schon gar nicht, indem wir jetzt für vier Jahre verschwinden.
Wir müssen aus den vielen guten Gesprächen der vergangenen Monate dauerhafte Kontakte machen. Unsere Veranstaltungen weiterentwickeln. Den Austausch mit den JuLis intensivieren. Unsere Arbeit in den Gemeinden strategischer aufstellen. Für Usedom, Groß Kiesow und Lubmin sind entsprechende Strategiepapiere bereits beauftragt. Auch unsere positive Entwicklung in den sozialen Medien müssen wir konsequent fortsetzen.
Jetzt beginnt nicht die Pause nach dem Wahlkampf. Jetzt beginnt der Wiederaufbau.
MV kann mehr.
Dieser Wahlkampf wurde stark von Polarisierung bestimmt. Wir setzen dem etwas anderes entgegen: Vertrauen in die Menschen.
Wir wollen nicht, dass Angst bestimmt, was Menschen wählen, wie Unternehmen investieren oder wie Familien ihr Leben gestalten. Wir wollen ein Mecklenburg-Vorpommern, in dem wieder mehr zugetraut und weniger vorgeschrieben wird.
Dafür braucht es eine liberale Kraft. Aber niemand schuldet uns dafür seine Stimme. Wir müssen sie uns zurückverdienen. Gespräch für Gespräch. Gemeinde für Gemeinde. Mitglied für Mitglied.
Ich bin als Kreisvorsitzender überzeugt, dass wir mit unseren Kandidaten und unseren inhaltlichen Ansätzen viel Substanz in diesen Wahlkampf gebracht haben. Das Ergebnis zwingt uns trotzdem zu einer nüchternen Erkenntnis: Es hat nicht gereicht. Also werden wir besser. Präsenter. Verbindlicher. Hartnäckiger.
Kopf in den Sand können andere.
Wir machen weiter.
Nicht irgendwann.
Jetzt.
Für Freiheit. Für Selbstbestimmung. Für ein Mecklenburg-Vorpommern, das seinen Menschen endlich wieder mehr zutraut.